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Wie können diese beiden zueinander finden? Wahrscheinlich
überhaupt nicht, habe ich lange Zeit gedacht – und darauf
geachtet, dass diese beiden Welten strikt von einander getrennt
waren.
Dies ist allerdings nicht im Sinne dessen, was ich unter dem sprachlichen
Wortgewebe verstehe, in dem letztlich alle Dinge miteinander verknüpft
sind. Und so hat mittlerweile in mir eine Annäherung der beiden
Welten stattgefunden. Ich habe begriffen, dass sie durchaus gut
und geradezu partnerschaftlich zusammenpassen können.
Lassen Sie mich einen Schritt zurück machen und grundsätzlich
fragen, worum es hier geht. Auf unserer schönen Erde, meine
ich. Ich glaube, dass in jedem Menschen das intensive Verlangen
steckt, Ordnung in seine Verhältnisse zu bringen. Und wenn
mancher Freigeist meint, dass ihn eine periphere Unordnung nicht
aus der Ruhe bringen kann, dass er vielleicht sogar eine geheime
Freude darin empfindet, dennoch den Überblick nicht zu verlieren,
dann ist dieser Überblick genau die Ordnung, die ich meine.
Die Ansätze in Wirtschaft und Dichtung, das Chaos der Welt
in Ordnung zu verwandeln, sind grundsätzlich verschieden. Aber
den Antrieb dazu beziehen sie – wie ich meine – aus
derselben Unruhe.
Vereinfacht gesprochen dreht sich in der Wirtschaft alles darum,
das Chaos in (monetäre) Werte zu verwandeln. Nutzloses –
in der menschlichen Wahrnehmung – wird durch Produktionsvorgänge
zu Nützlichem. (Sehen wir einmal von jener fatalen und grundsätzlich
dysfunktionalen Tendenz zur Verschwendung ab.) Der Prozess der Verwandlung
läuft dabei zumeist nach strengen Regeln ab, die sich entweder
von gesetzlichen Vorgaben ableiten oder eine Vorgehensweise reflektieren,
die sich als die „Beste“ herauskristallisiert hat. Um
die Möglichkeit des Scheiterns weitgehend auszuschließen,
wird der Handlungsspielraum stark eingeschränkt.
In der Dichtung wird das Chaos in Begriffe, Bilder und Geschichten
verwandelt. Dieser uralte Ansatz funktioniert insbesondere dadurch,
dass man Kontrolle über die Dinge des Lebens erhält, wenn
man sie beim Namen nennen kann. Die Dichtung ist hierbei lediglich
an die Regeln der Sprache gebunden, derer sie sich bedient und kann
in gewissen Grenzen auch diese überwinden. Wie alle Kunst bewegt
sie sich zwischen Absicht und Absichtslosigkeit und ist insbesondere
dadurch fähig, dem Bekannten ein Stück vorauszueilen.
Und sie gestattet sich (notwendigerweise) auch die Möglichkeit,
zu scheitern. Ein Gedicht, wie ich es verstehe, beschreibt keine
zwingende, unumstößliche Wahrheit, sondern dokumentiert
vielmehr den Prozess der Suche nach Wahrheit und Ausdruck.
Beide ergänzen sich darin, dass die Literatur phantasieren
darf und mit der ihr eigenen Leichtigkeit neue Perspektiven eröffnen
kann und dass die Wirtschaft sich vor eben genau diesem Phantasieren
in Acht nehmen muss und dadurch wesentlich stärker an Zweck,
Publikum und letztlich Erfolg orientiert ist.
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